Wir schliessen unseren Betrieb am 31.10.2017.

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vom 9. – 19. November täglich von 9.00 Uhr bis 18.00 Uhr

„Chömet cho luege und stöbere es het so lang das het“

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Geschichte

Wer heute das familienfreundliche Gasthaus Schnittweierbad besucht ahnt kaum, dass sich hier einmal «wüste» Szenen abgespielt haben. Derart anrüchige sogar, dass Chorgerichte und Pfarrer veri­table Stossgebete gegen den Himmel schickten. Das war im 18. Jahrhundert. Doch das sind tempi passati.

Das ehrenwerte Haus nur mit den «Lüsten am Baden» in Verbindung zu bringen wäre allerdings nicht fair. In der wechselvollen Geschichte erlebte die Institution oberhalb Steffisburg überwiegend «anständige» Epochen.

Kloster Interlaken und die Fische
Wann genau das Schnittweierbad entstanden ist, bleibt urkundlich ziemlich im Dunkeln. Hingegen ist bekannt, wie der Name entstanden ist: Kurz nach Weihnachten im Jahre 1427 schlossen nämlich das Kloster Interlaken und Landbesitzer in Steffisburg ei­nen Vertrag «zur Erstel­lung eines Wei­hers» in der sogenannten Schneitt. Der Grund: Das Kloster konnte den Bedarf an Fischen, vor allem während der Fasten­zeit, kaum noch decken. Der neue Wei­her musste Nach­schub liefern. Und bereits zu dieser Zeit soll ein Bad für Mönche und Nonnen existiert haben. Mitte des 16. Jahrhunderts, nach der Refor­mation und der Schliessung des Klosters Interlaken, wechselte der Schnittweier in die Hände von weltlichen Bürgern.

Dorfgemeinde übernimmt das Bad
Nach einigen Besitzerwechseln und Gerichts­händeln um das Nutzungsrecht ging das Land im Jahre 1547 in die Hand der Dorfgemeinde. Steffisburg hatte nämlich das Zugrecht geltend gemacht und es kam zum Prozess gegen die Stadt Thun, welcher am 3. Dezember 1547 vom Rat zu Bern zugunsten der Steffisburger entschieden worden ist. Bis 1725 blieb die Bad­wirtschaft im Besitze der Dorfgemeinde. Bereits damals war über die Region hinaus bekannt, dass man sich im Schnittweier «gesund baden» konnte. 1717, so ist in alten Reise- und Bäderbücher festgehalten, gab es 10 Badzeimmer mit je zwei bis drei Badekästen.

Ex-Legionär brachte lockere Sitten
Rund 20 Jahre später gönnte sich der Ex-Legionär Ludwig Tillier das Ver­gnügen, Teile seines Kriegs-Soldes im Schnitt­weierbad anzulegen, welches er käuflich erwerben konnte. Und er brachte aus den fremden Kriegsdiensten nicht nur viel Geld, sondern auch «lockere Sitten» mit nach Steffis­burg. Das anrüchige Leben und vor allem die «Lust am Baden» während des Gottesdienstes beschäftigten Chorgericht (Sittengericht) und weltliche Obrigkeit über Gebühren. Ruhe, so will es die Geschichte wissen, kehrte erst ein, als Tillier eine «handfeste Emmentalerin» als Lehenwirtin angestellt hattte.

Müde Krieger liessen Haut und Seele pflegen
Rund 100 Jahre nach der Ära Tillier hatte das Schnittweierbad in medizinischen Kreisen einen sehr guten Ruf. Gegen «Rheuma», «Krämpfe und Zittern in den Gliedern», allgemeine Schwächen und «für die Vernarbung von Wunden» pilgerten Heilsuchende auf die Anhöhe ob Steffisburg. Noch etwas: Mitte des 19. Jahrhunders entwickelte sich Thun zur Garnisons­stadt. Manch ein müder Krieger soll, so die Überlieferung, zum Bad gewandert sein, um «mit der äusseren Haut auch die innere zu pflegen und zu restaurieren».

Alaun-Wasser und Ziegenmilch
Um 1850 herum wurde die Anlage total erneuert. Zehn Badezimmer mit rund 30 Badekästen sowie 13 Schlafzimmer lockten fürdar Rekonvaleszente an. Bis 1870 wurde die Bettenzahl kontinuierlich erhöht. Das Wirtschaftsgebäude, der «Neubau» und das Chalet «Rhaintal» beherbergten bis zu 80 Personen. Die eigene Landwirtschaft lieferte Kuh- und Ziegenmilch für die Kuren. Das Schnittweierebad war seines alaunhaltigen Wassers wegen sehr beliebt. Leider wurde der Badebetrieb im Jahre 1920 eingestellt. Weiterhin florierten dafür Hotel und Restaurant, welche 1962 in den Besitz der Gemeinschaft Noser/Bischoff überging.

Familienfreundlicher Landgasthof
Seit Juli 1975 ist das «Schnittweierbad» Eigentum von Frau Marianne Rebmann-Noser. Sie initiierte und ermöglichte im Jahre 1998 eine umfassende Renovation des Restaura­tionsbetriebes. Nach dem Um- und Neubau im Jahre 1998 profilierte sich das Gasthaus Schnittweierbad mit familienfreundlichen Ange­boten. In der neu gestalteten Gaststube kann man wunderbar sitzen und klönen, das Feierabend-Bier schlürfen und natürlich auch alkoholfreie Getränke. Oder nach einem Spaziergang durch das reizvolle Wandergebiet einen kleinen Imbiss in netter Atmosphäre geniessen. Für Gruppen- und Familienanlässe stehen zwei Säle mit bis zu 120 Plätze zur Verfügung. Das Gasthaus wird seit Dezember 1982 (35 Jahre) von Verena und Hansueli Bieri-Krügel liebevoll und engagiert geführt.

2016 10 27 Verena Hansueli Bieri 6573

Der oben stehende Text ist der Broschüre zum 30-jährigen Wirte-Jubiläum entnommen. Die Broschüre "Anrüchige Badelust und so..." kann im Gasthof Schnitweierbad bezogen werden.